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10.04.2019

Frauenfachtage am 6. April 2019 in Mannheim

Wie jedes Jahr im Frühling fand auch dieses Jahr wieder ein Frauenfachtag in Mannheim statt.

100 Jahre Frauenwahlrecht waren Anlass dafür, uns darüber Gedanken zu machen, wo und wie wir Frauen unsere Stimme erheben, um uns mit unseren Anliegen Gehör zu verschaffen und nicht nur im 4-jährigen Wahlturnus an der Urne ein Kreuzchen zu machen. Am Vormittag gab uns Frau Heidi Scharf, lange Jahre Erste Bevollmächtigte bei der IG Metall in Schwäbisch Hall und Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand von DIE LINKE, Europa-Kandidatin für DIE LINKE und eine versierte Kennerin der Frauenrechtsbewegung, einen historischen Überblick über die Forderungen von Frauen nach Gleichberechtigung. Interessant war dabei zu erfahren, dass von dem immer wieder geforderten Wahlrecht für Frauen auch ein Großteil der Männer profitieren würde, denn tatsächlich schloss das geltende preußische Wahlrecht auch viele Männer aus- Empfänger der öffentlichen Armenunterstützung ebenso wie aktive Soldaten. Hier wird besonders deutlich: Frauenrechte sind Menschenrechte oder anders formuliert: Menschenrechte kennen kein Geschlecht, keine Hautfarbe, keine Religion… 

Aber auch wenn Frauen schon immer aktiv gekämpft haben, um gesellschaftliche Veränderungen und Gleichberechtigung herbeizuführen (franz. Revolution, Revolution von 1848…) erhielten sie doch nie die ihnen zustehenden Rechte.

Bereits im Jahr 1405  setzt sich Christine de Pizan in ihrem Buch „Le Livre de la cité des dames“ (Das Buch von der Stadt der Frauen) mit der Gleichberechtigung der Frauen vor Gott auseinander. 

Sie beschreibt ihre eigenen Zweifel, in dem sie Gott zunächst vorwirft, er «habe mit der Frau ein niederträchtiges Wesen erschaffen», um dann festzustellen, dass «Du [Gott] selbst, und zwar auf eine ganz besondere Weise, die Frau erschaffen [hast ...] Es ist doch undenkbar, dass du in irgendeiner Sache versagt haben solltest!» Sie vertraut auf Gottes Weisheit und schreibt das Buch, in dem sie äußert, dass «nicht der geringste Zweifel daran bestehen [kann], dass die Frauen ebenso zum Volke Gottes [...] gehören wie die Männer». (Zitate: Das Buch von der Stadt der Frauen, S. 37 und S. 218) Heute, 600 Jahre später haben wir wenigstens formell die Gleichberechtigung- aber die praktische Umsetzung sieht in vielen Bereichen immer noch düster aus- die Lohndifferenz bei gleicher Arbeit beträgt im Schnitt in Deutschland 21%, Frauen werden steuerlich häufig benachteiligt, sind unterrepräsentiert in wichtigen Posten in der Wirtschaft und auch in Parteien…die Liste ist lang und bot dann auch viel Stoff für eine angeregte Diskussion und Erfahrungsaustauch. Eine Frage, die den Teilnehmerinnen zu denken gab, ist die sogenannte „Rolle rückwärts“. An vielen Stellen lässt sich beobachten, dass die Rolle der Frau wieder zunehmend tradiert wahrgenommen  wird- Frauen wieder  in die sogenannten „drei K“ gedrängt werden. Die Ursachen hierfür sind meist struktureller Art- sind erst mal Kinder da, wird es häufig schwierig mit einer adäquaten Kinderbetreuung und noch immer wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Frauen für selbige hauptsächlich verantwortlich sind und dann halt beruflich zurückstecken. Auch seitens vieler Arbeitgeber und ebenso in politischen Ämtern wird darauf kaum Rücksicht genommen. Hier braucht es neue Modelle, um den vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden. 

Eine gute Möglichkeit ist die Vier-in-einem-Perspektive, die uns Frau Scharf vorstellte.

Wenn man von 8 Stunden Schlaf am Tag ausgeht bleiben noch 16 Stunden für Arbeit und Freizeit. Die Vier-in-einem Perspektive geht von einem Arbeitsbegriff aus, der berücksichtigt, was gesellschaftlich und individuell sinnvolle und benötigte Arbeit ist. Hier ergeben sich dann vier gleichberechtigte Arbeitsfelder (Frigga Haug), die die Vielfalt von „Arbeit“ abbilden.

Erwerbsarbeit

Reproduktionsarbeit

Kulturelle Entwicklung

Politik von unten

Desweiteren stellte Frau Scharf einige Zahlen vor, z.B. dass viele Frauen, die in Teilzeit arbeiten, gerne mehr arbeiten würden, im Schnitt etwa 32 Std. die Woche -und umgekehrt viele Männer gerne Arbeitszeit reduzieren würden, auf etwa die gleiche Stundenzahl. 

Es gibt also viele gute Ideen und Ansätze, aber immer noch sehr viel zu tun! 

Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es im Wortsinne um unsere Stimme. Inka Franze, Sprechtherapeutin gab uns erst einen theoretischen Einblick in die Funktionsweise der Stimme und Faktoren die die Stimme beeinflussen. Also wenn es brenzlig wird, erst einmal tief durchatmen und eine aufrechte Haltung einnehmen. Ist die Stimme belegt, schadet es den Stimmbändern, wenn man sich räuspert. Da empfiehlt es sich, den Satz „Am Abend aß Adam einen Apfel sagen“ um den Schleim von den Stimmbändern zu lösen.

Mit einigen Stimmübungen konnten wir auch ganz praktisch ausprobieren, wie unsere Stimme in verschiedenen Situationen klingt und wirkungsvoll zum Einsatz gebracht werden kann- was oft auch für Erheiterung sorgte. 

Abschließend sangen wir noch gemeinsam Lieder, die zum Thema passen - Die Gedanken sind frei, Brot und Rosen- bevor wir den Heimweg antraten.

Alles in allem ein wahrhaft stimmiger Tag: Die Inhalte waren fundiert, die Stimmung energiereich und die Rückmeldungen sehr positiv.

Der nächste Frauentag finde am 12. 10 in Karlsruhe-Durlach im Christkönighaus statt. 

Frau Scharf

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